***Zwischen Oberliga-Alltag und Karibik-Abenteuer***

Nationalspieler Paris kämpft um seinen Platz

Zwischen Oberliga Niedersachsen und internationaler Bühne: Javier Alejandro Jiménez Paris ist mit Aruba bei der FIFA Series in Ruanda im Einsatz. Während er um weitere Länderspiele kämpft, drohen ihm in Rehden nach Platzverweis Sperre und der vorläufige Verlust seines Stammplatzes.

Bremen, Brüssel, Kigali. Nach etwa neuneinhalb Stunden Flug war er zurück im Kreise der Nationalmannschaft Arubas: Javier Alejandro Jiménez Paris, genannt Paris. Der Angreifer, der beim BSV Schwarz-Weiß Rehden in der Oberliga Niedersachsen spielt. Es ist für ihn ein stückweit wie nach Hause kommen, wenn er seine Teamkollegen aus seiner Heimat zu einem Länderspiel trifft. „Wir gehen miteinander um wie in einer Familie“, erzählt Paris in einem WhatsApp-Telefonat nach seiner Ankunft in Ruanda. „Der Empfang hier war wirklich herzlich. Und die Gastfreundschaft der Ruanda ist großartig.“

Grund der Reise in der offiziellen Länderspielzeit ist die FIFA Series 2026. Ein Turnier-Format, das der Weltfußballverband eingeführt hat, um Begegnungen zwischen Mannschaften zu ermöglichen, die sich sonst selten gegenüberstehen. Elf Verbände fungieren als Gastgeber. Ruanda richtet dabei als einziges Land zwei separate Gruppen aus. Die Spiele sind internationale Freundschaftsspiele – endet eine Partie unentschieden, fällt die Entscheidung im Elfmeterschießen (ohne Verlängerung).

    Curacao ist unser großes Vorbild.
   

Javier Alejandro Jiménez Paris

Aruba trifft an diesem Donnerstag erst auf Macau – anschließend auf Liechtenstein oder Tansania. Bislang hat Paris 16 Länderspiele bestritten. Und er hofft, dass nun zwei weitere dazukommen. „Ich habe gute Chancen, in der Startelf zu stehen, aber ich bin mir noch nicht hundertprozentig sicher. Wir müssen noch abwarten, vor allem, weil wir auch einige neue Spieler dabei haben“, gibt sich der 25-Jährige zurückhaltend.

Länderspiel gegen Alphonso Davies

Zwei Länderspieltore stehen auf seinem Konto. Eins gegen St. Kitts & Nevis, eins gegen Puerto Rico. Sein größtes Erlebnis aber war ein Länderspiel gegen Kanada. „Da habe ich gegen Alphonso Davies gespielt“, erzählt Paris voller Stolz von der Begegnung mit dem Star des FC Bayern. Mit der arubaischen Nationalmannschaft hat er große Träume: „Wir haben in der CONCACAF-Qualifikation gegen Haiti und Curacao gespielt. Jetzt sind beide bei der WM. Und Curacao darf gegen Deutschland antreten. Das ist doch verrückt. Curacao ist unser großes Vorbild“, strahlt Paris, der in Oranjestad, der Hauptstadt der niederländischen Insel Aruba im Karibischen Meer geboren ist. Fußball ist auf Aruba eine sehr beliebte Sportart mit mehr als 60 registrierten Vereinen und insgesamt mehr als 10.000 Spielern.

Der Karriereweg des Mannes mit dem klangvollen Namen ist bemerkenswert. Ausgebildet wurde Javier Alejandro Jiménez Paris bei SV Deportivo Nacional. Dort spielte er in der Jugend, bevor er im Alter von 19 Jahren nach Malta zu Rabat Ajax wechselte. Wegen der Corona-Pandemie blieb er dort nur kurz. Nach einer Übergangszeit in den Niederlanden kam Paris 2020 zum FC Brandenburg. Über den SC Staaken und der TSG Neustrelitz wurde dann vor einem Jahr der BSV Rehden auf den bulligen Stürmer aufmerksam.

   Ich wusste, dass ich keinen Stürmer hole, der 15 bis 20 Tore macht. Aber er hat ein paar Skills mitgebracht, die wir nicht im Kader hatten.
   

BSV-Trainer Kristian Arambasic

Genau genommen war es ein Berater, der BSV-Trainer Kristian Arambasic anrief und auf Paris hinwies. In einem Testspiel nahm Arambasic diesen unter die Lupe. „Mir war klar, ich brauche noch einen zweikampfstarken Spieler, der eine Physis mitbringt, der sich abarbeitet an einer Abwehr. Und das hat man in dem Spiel gesehen. Er hat in dem Spiel auch einige Bälle aus der Luft gut runtergeholt, gut verarbeitet. Ich wusste, dass ich keinen Stürmer hole, der 15 bis 20 Tore macht. Aber er hat ein paar Skills mitgebracht, die wir nicht im Kader hatten, deshalb haben wir ihn damals verpflichtet.“

Tatsächlich benötigte Paris eine recht lange Anlaufzeit. In der Hinrunde der aktuellen Saison spielte er nur selten, kam meistens als Joker zum Einsatz. Die Wintervorbereitung nutzte er dann, um sich neu zu empfehlen. Er arbeitete hart und kämpfte sich ins Team.

Rote Karte bremst Paris aus

In diesem Jahr hat der Mittelstürmer in allen bisherigen Partien in der Startelf gestanden. Auch im Heimauftritt gegen Atlas Delmenhorst vergangenes Wochenende. Das Spiel allerdings war eines zum Vergessen. Gerade fünf Minuten waren gespielt, da sah Paris Jiménez die Rote Karte, weil er im Duell mit seinem Gegenspieler mit der rechten Rückhand ausgeholt hatte.

„Er hat ihn aber nicht mal erwischt“, berichtet Arambasic von der Beteuerung des „Sünders“. Doch die Entscheidung stand – und Rehden verlor letztlich 0:5. „Das war nicht gut, was er gemacht hat. Er hatte ein schlechtes Gewissen, aber das hilft uns allen nicht“, kann Arambasic seinen Ärger über die Aktion nicht verkneifen.

Für Rehden war es ein erneuter Rückschlag. Der Blick auf die Aufstiegsplätze ist wieder getrübt. Auch wenn Paris den Aufstieg noch nicht ganz abhaken will: „Wir haben weiter den Traum von der Regionalliga. Wir gucken weiter von Spiel zu Spiel. Hoffentlich haben wir am Ende noch die Chance auf den ersten Platz oder die Relegation.“

Stammplatz in Gefahr

In den nächsten Begegnungen jedoch wird Paris seiner Mannschaft nicht zur Verfügung stehen. So schön die Nationalmannschaftsreise für ihn ist, so sehr ist sie Segen und Fluch zugleich. Nach seiner Rückkehr aus Ruanda dürfte er seinen Stammplatz vorerst wieder verloren haben. Hinzu kommt die Sperre aufgrund der Roten Karte, die sich voraussichtlich auf zwei bis drei Spiele belaufen wird. Das Urteil des Sportgerichts wird Paris Jiménez wahrscheinlich noch in Kigali erreichen.

Er selbst zeigte sich nach dem Platzverweis sehr geknickt. „Es ist frustrierend, weil ich nach drei Spielen in der Startelf sehr motiviert war, und dann passiert im vierten Spiel so etwas.“ Was ihm jetzt helfe, sei sein christlicher Glaube.

Offene Zukunft

Sein Glaube werde ihm auch die Kraft geben, nach seiner Rückkehr und der Sperre in Rehden wieder anzugreifen. Wie es mit ihm in Rehden über diese Saison hinaus weitergeht, ist derzeit offen. Trainer Arambasic, der Paris menschlich als „1A“ bezeichnet, wird sich in den nächsten Wochen mit ihm über seine Zukunft unterhalten.

Paris jedenfalls fühlt sich im Verein sehr wohl. Er wohnt und arbeitet in Bremen, wo er in einer Honigfabrik am Fließband steht. Seine Frau und sein Kind leben noch in Rotterdam. Zu gerne würde er sie zu sich holen. Voraussetzung: Es klappt mit einer Vertragsverlängerung.

Text: Eckhard Klein (Kicker)

Foto: Vogler Images

Veröffentlichung mit freundl. Genehmigung des Urhebers

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