***Kampf gegen den Aderlass***

„Dann bin ich nicht mehr der richtige Mann“: Arambasic schlägt in Rehden harte Töne an.

Kristian Arambasic ist es leid, jedes Jahr bei Schwarz-Weiß Rehden die besten Spieler gehen lassen zu müssen. Daher hat der Trainer beim niedersächsischen Oberligisten den Kurs radikal geändert, seine eigene Zukunft damit verknüpft und offenbar Erfolg.

Jedes Jahr aufs Neue muss sich Kristian Arambasic vorkommen wie Sisyphos. Er bildet gleich mehr als ein Dutzend Spieler aus. Und am Ende der Saison steht der Trainer des BSV Schwarz-Weiß Rehden mit leeren Händen da, weil der überwiegende Teil dieser Spieler den Verein wieder verlässt. Mit dieser Sisyphusarbeit soll nun Schluss sein. „Wenn wir immer nur Sprungbrett sind, bleibt der Erfolg auf der Strecke. Der individuelle Erfolg ist da, der des Vereins aber nicht“, beklagt Arambasic die jährliche Fluktuation.

Deshalb habe man sich entschlossen, es diesmal anders zu machen. Stringenter. Der Verein stellte ein Ultimatum. „Wir haben mit einem Schwung an Spielern gesprochen, die uns wichtig waren. Und denen ganz klar gesagt: „Bis Ende Januar müsst ihr euch entscheiden, ob ihr bleibt oder nicht. Wenn ihr nicht bleibt oder nicht unterschreiben solltet, dann ist das nicht schlimm, dann ist das euer Ding und eure Entscheidung. Aber dann wird die Rückrunde anders laufen.“ Übersetzt heißt das, selbst Spieler, die gesetzt sind und zu den Leistungsträgern gehören, finden sich auf der Bank wieder. „Das habe ich vorher nie so gemacht“, stellt Arambasic fest, der aber nur auf diese Weise die Ziele zu erreichen gedenkt. „Der Erfolg kommt mit Kontinuität. Kontinuität gleich Erfolg. Wenn du keine Kontinuität hast im Bereich Kader, dann kannst du einfach keinen Erfolg haben.“

„Es kann sein, dass wir das erste Mal, seitdem ich hier Trainer bin, zwischen 13 und 17 Spieler halten werden.“

Kristian Arambasic

Tatsächlich hat der ungewöhnliche Appell Wirkung gezeigt. „Es ist so, dass drei Spieler aktuell nicht verlängern, obwohl ich gerne mit denen weitergearbeitet hätte. Der Rest der Spieler hat verlängert. Und das ist auf jeden Fall ein sehr gutes Signal“, freut sich Arambasic, der im Sommer viereinhalb Jahre in Rehden tätig ist. Unter der Regentschaft von Vereinsboss Friedrich Schilling war in den letzten mehr als drei Jahrzehnten keiner länger im Amt. „Es kann sein, dass wir das erste Mal, seitdem ich hier Trainer bin, zwischen 13 und 17 Spieler halten werden. Das bedeutet für mich, ich brauche nur noch fünf, sechs neue Leute zu holen. Das ist natürlich ein anderes Ding, als wenn du nur noch mit drei Stammspielern da stehst und jedes Jahr 16 Leute holen musst.“

Der Blick beim BSV Schwarz-Weiß Rehden richtet sich schon jetzt auf die neue Saison. Nach der Hinserie belegt Rehden in der Oberliga Niedersachsen Platz 9. Im gesicherten Mittelfeld. Mit dem angepeilten Aufstieg wird es auch dieses Jahr aller Voraussicht nach nichts. Wobei, schemenhaft am Horizont sieht Arambasic die beiden ersten Plätze durchaus noch. „Klar, wir schielen noch ein bisschen mit dem Auge nach oben. Ich weiß, dass wir es auch noch packen könnten.“

Eigentlich habe er dieses Jahr gesagt, „wenn wir nicht aufsteigen, gehe ich.“ Eben weil er es leid war und ist, dass Jahr für Jahr der Kader zerbricht. Und er quasi wieder bei null anfängt. „Ich sehe da nicht das Ziel, wenn ich jedes Mal nur ausbilde, die Jungs sich entwickeln und wieder gehen. Da bin ich irgendwann nicht mehr der richtige Mann.“ Dies sei jetzt aber nicht so, meint Arambasic. Der Treibstoff, der seinen Motor am Laufen hält, ist der unbedingte Wille, mit dem BSV Schwarz-Weiß Rehden eine Sehnsucht zu erfüllen. „Mein großes Ziel ist die Rückkehr in die Regionalliga mit dem Verein. Friedrich Schilling, meinem Präsidenten, das zu schenken. Dem Mann, der so viel investiert hat in diese ganze Sache.“

Vorgriff auf den Sommer

Statt im Sommer aufzuhören, denkt der Coach nun vielmehr über eine Ausweitung seines Kontrakts nach. „Es gibt noch keine Verlängerung offiziell, aber bei uns ist das ein Handschlag. Ich glaube, dass beide Seiten daran interessiert sind, dass man zusammenarbeitet. „Wir setzen uns irgendwann zusammen und dann wird gesprochen“, ist auch Sandy Röhrbein in dieser Causa sehr gelassen: „Ich denke, dass wir uns dann schnell einig sind und Kristian noch länger als die viereinhalb Jahre hier bleiben wird“, betont der Sportchef, der in der Winterpause daran gearbeitet hat, den Kader noch einmal zu verstärken. Schon als Vorgriff auf den Sommer kam Rechtsverteidiger Bo-Börge Drath, der zuletzt beim US-amerikanischen College-Team von SBU Bonnies gekickt hat. Und vom Ligarivalen Borussia Hildesheim wechselte Innenverteidiger Leon Arizanov in den Kreis Diepholz. Nicht zuletzt aufgrund dieser Transfers hat Röhrbein ähnlich wie sein Trainer den Aufstieg nicht völlig abgehakt. „Wir glauben schon, noch oben angreifen zu können.“

Die frühzeitige Planungssicherheit sorgt für neue Zuversicht. „Ich kann jetzt in Ruhe die Mannschaft weiterentwickeln, ohne Druck. Ich weiß, dass die Liga vor uns Respekt hat. Ich weiß, dass der ein- oder andere noch sagt, ‚Rehden, auf die müssen wir aufpassen'“, blickt der gelernte Sozialpädagoge Arambasic auf die Konkurrenz. Tatsächlich lohnt sich ein Verweis auf die vergangene Saison. Da startete Rehden wie dieses Jahr sehr bescheiden und blieb dann 18 Spiele am Stück ohne Niederlage und war plötzlich Vierter. „Jetzt ist es so, die Spieler verlängern. Somit ist die Motivation bei den Jungs riesengroß zu sagen, warum nicht noch dieses Jahr, wir haben selbst die Chance, wir haben noch 15 Spiele. Es sind neun Punkte Rückstand nach ganz oben. Bei der Ligadichte ist alles möglich. Aber wir sind in der Außenseiterrolle. Das muss man ganz klar sagen.“ Er selbst sei „total entspannt und für die Rückrunde hochmotiviert.“ Vor allem aber sehr zufrieden, weil er sich im Sommer nicht mehr, wie Sisyphos fühlen muss.

Text: Eckhard Klein (Kicker)

Foto: Vogler Images

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